Keine Soldaten zum Eisbohren – Grönland ist kein Truppenübungsplatz für Trumps Launen
Zur vorbereitenden Truppenübung deutscher Soldaten in der Arktis erklärt der friedenspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Koplin:
„Dreizehn deutsche Soldaten sollen in Grönland die Eisdicke messen – offenbar, um festzustellen, wie tragfähig das Eis für die nächsten Machtfantasien im Weißen Haus ist. Während irgendwelche Stäbe in Bundeswehr‑PowerPoint‑Präsentationen Grönland als ‚strategischen Vorposten‘ durchdeklinieren, kommt eine Frage konsequent nicht vor: Was wollen die Grönländer:innen eigentlich selbst? Stattdessen wird so getan, als sei das Eis eine leere Bühne, auf der sich Washington und Europa gegenseitig ihre ‚Präsenz‘ beweisen müssen – gern illustriert mit dreizehn Mann, die mit Bohrkern und Landesflagge im Schnee posieren. Das ist die Fortsetzung imperialen Denkens – dank 100 Mrd. Programm nun auch mit Thermounterwäsche.
Wer, wie Trump in Grönland, die Rohstoff‑ und Profitinteressen der eigenen Wirtschaft über Völkerrecht, Souveränität und Selbstbestimmung stellt, handelt als Aggressor – nicht als Verbündeter. Solche Vorhaben gehören sanktioniert, nicht mit dreizehnfachem Säbelrasseln begleitet. Wer Putin für seine Übergriffe verurteilt, muss bei Trumps Landnahme‑Fantasien in der Arktis dieselben Maßstäbe anlegen – alles andere ist geopolitische Doppelmoral im Tarnfleck.
Die Merz‑Regierung aber duckt sich weg. Sie traut sich nicht, den Botschafter der USA einzubestellen, sie scheut jede klare Kante gegenüber Washington – aus Angst, als ‚unzuverlässig‘ im transatlantischen Club zu gelten. Dabei gäbe es gute Gründe, genau das zu tun: Wenn die USA Territorien wie Grönland in zynische Immobilienangebote und Militärkulissen verwandeln, ist es höchste Zeit, rote Linien zu ziehen – nicht rote Teppiche auszurollen.
Europa erzählt viel von Dekolonisierung, Rechten indigener Völker und multilateraler Ordnung. Sobald es um Arktis, Rohstoffe und Militärstandorte geht, werden daraus plötzlich ‚Rüstungslücken‘, ‚strategische Chancen‘ und der Ruf nach mehr Truppen. Dann werden die Grönländer:innen zur Randnotiz – und dreizehn deutsche Soldaten zum symbolischen Einsatzkommando der eigenen Bedeutungssucht. Eine demokratische Antwort sähe anders aus: Sie würde die politische Autonomie Grönlands stärken, nicht das eigene Säbelrasseln im ewigen Eis.
Auch wir im Osten haben schmerzhaft lernen müssen, dass vermeintliche ‚Große Brüder‘ nicht ewig auf der Freundesliste bleiben – weder in Moskau noch anderswo. Vielleicht sind jetzt die selbsternannten Transatlantiker an der Reihe, das endlich zu begreifen: Freundschaft heißt, Völkerrecht zu achten, nicht Trump beim Eisbohren zu assistieren.“
