Digital Independence Day am 1. März – Digitale Souveränität als Chance für Mecklenburg-Vorpommern

Zum internationalen Digital Independence Day am 01. März erklärt der digitalisierungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Daniel Trepsdorf:

„Der Digital Independence Day macht darauf aufmerksam, wie wichtig digitale Souveränität für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geworden ist. Die Initiative, die unter anderem vom Chaos Computer Club unterstützt wird, wirbt dafür, Abhängigkeiten von großen Technologieanbietern zu reduzieren und verstärkt auf offene Technologien, transparente Softwareentwicklung und regionale Wertschöpfung zu setzen. Der Digital Independence Day, auch DI.DAY genannt, versteht sich als Impuls für Politik und Verwaltung, digitale Infrastruktur stärker als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge zu begreifen.

Für Mecklenburg-Vorpommern eröffnet dieser Ansatz konkrete Chancen. Die digitale Verwaltung, Schulen, Hochschulen und kommunale IT-Strukturen können langfristig unabhängiger von proprietären Plattformen großer Konzerne aus den USA und China werden. Digitale Souveränität bedeutet dabei nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, technische Systeme selbstbestimmt zu betreiben, weiterzuentwickeln und zu kontrollieren. Gerade für ein Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern kann eine stärker regional ausgerichtete IT-Strategie Innovationen fördern, lokale Unternehmen einbinden und öffentliche Mittel effizienter einsetzen.

Ein Beispiel für diesen Weg liefert Schleswig-Holstein, das seit mehreren Jahren konsequent auf offene Software und offene Standards setzt. Die Landesverwaltung stellt schrittweise ihre Arbeitsplätze auf freie Bürosoftware und offene Kommunikationslösungen um. Ziel ist es, die Kontrolle über Datenflüsse und IT-Prozesse zu sichern, Sicherheitsrisiken durch intransparente Software zu reduzieren und gleichzeitig Kosten für proprietäre Lizenzen einzusparen. Durch die Zusammenarbeit mit regionalen IT-Dienstleistern entsteht zusätzlich wirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort. Offene Schnittstellen sorgen dafür, dass Systeme flexibel weiterentwickelt werden können, ohne sich dauerhaft an einzelne Anbieter zu binden. Auch im Bildungsbereich werden offene Technologien eingesetzt, um digitale Kompetenzen nachhaltig und unabhängig von bestimmten Herstellern zu vermitteln. Insgesamt stärkt dieser Ansatz die Widerstandsfähigkeit staatlicher IT-Infrastrukturen und reduziert langfristig Ausgaben, weil Lizenzkosten entfallen und Investitionen in eigene Kompetenzen fließen.

Diese Leitlinien sind auch für Mecklenburg-Vorpommern relevant. Eine stärkere Nutzung von Open-Source-Software in der Landesverwaltung kann Transparenz und Datenschutz verbessern, weil Programmcode überprüfbar wird und die öffentliche Hand mehr Kontrolle über sensible Daten behält. Gleichzeitig lassen sich Innovationen im regionalen IT-Sektor fördern, wenn öffentliche Aufträge stärker auf offene Lösungen ausgerichtet werden. Digitale Unabhängigkeit trägt damit sowohl zur technologischen Resilienz als auch zur wirtschaftlichen Entwicklung im Land bei.

Digitale Souveränität ist eine zentrale Voraussetzung für staatliche Handlungsfähigkeit im 21. Jahrhundert. Mecklenburg-Vorpommern sollte den Digital Independence Day zum Anlass nehmen, eine eigene Open-Source-Strategie für Verwaltung, Bildung und kommunale IT-Strukturen zu entwickeln. Wenn wir offene Standards konsequent nutzen und regionale IT-Kompetenzen stärken, gewinnen wir Sicherheit, Transparenz und wirtschaftliche Unabhängigkeit zugleich. Öffentliche IT darf keine Black Box internationaler Konzerne sein, sondern muss demokratisch kontrollierbar bleiben.“